Tagebuch 05.01.2008
Ihr Lieben,
der Samstag nach dem Corpsappell hatte es in sich. Es gab wohl sogar Falkenjäger deren Kreislauf nach dem Aufstehen streikte. Das halte ich aber für ein Gerücht bei so einem statsen Corps. Obwohl unser "Plümmo" sich am Anfang des Tages sehr verdächtig an Cola orientierte, was sich aber im Laufe der Auftritte glücklicherweise wieder gab. Ich kann es außerdem immer noch nicht fassen das ich nun "Karl" genannt werde. Ein großartiges Gefühl einen Corpsnamen zutragen. Es wurde in meinem Fall aber auch wirklich langsam Zeit.
Jetzt aber zum Auftrittstag mit vielen Überraschungen:
Samstagmittag, 14:00 Uhr
Ein Rumpeln an meiner Kiste signalisiert: Wachwerden, es ist Auftrittszeit. Mein lieber Betreuer "Humpelstielsje" transportiert mich zunächst mal wieder in die Dunkelkammer der Fa. Rheinlandtouristik, auch genannt der Kofferraum unseres Busses. Nach einer nicht all zu langen Verweilpause neben meinen Freunden, den Kisten mit dem herrlich erfrischenden Gebräu einer Kölner Brauerei, die als Symbol die Domtürme hat, wurde ich in Sürth auf dem Markplatz an die frische Luft geholt.
Nach einem kurzen Luftholen ging es dann ins Festzelt der KG Fläggelskappe. Mein erster Blick ließ schon ahnen, es muß eine Mädchensitzung sein. Das lag zum einen daran, dass weit und breit keine Kerls zu sehen waren und zum anderen war das Corps wieder in beeindruckender Stärke vertreten. Auf die kurze Frage von "Duckes", wie man denn Gedenke zu tanzen, kam von "Hännesje" nur die Antwort: „Volles Programm und alles live“. Unserem "Pralinche" war die Anspannung leicht anzusehen, immerhin hatte sie zwar gestern die Premiere des Mariechentanzes beim Corpsappell hinter sich gebracht und auch gemeistert, aber das war noch zur bekannten Trainings-CD.
Und nun sollte es erstmalig mit Livemusik erfolgen. Endlich kam der Pfiff vom "Lockedrieher", auf ging’s in die Zeltsauna. Hätte ich im Vorfeld geahnt, dass überall so gut geheizt wird, hätte ich mir garantiert die Mauser geschenkt. Aber wie ich feststellen konnte, litt ich nicht als einziger auf der Bühne. Nach dem ersten Potpourri der Musik und dem Präsentiertanz folgte die Premiere des Mariechentanzes zur Livemusik. "Duckes" und "Pralinche" machten ihre Sache hervorragend, das Saalpublikum und auch das Corps waren einfach begeistert.
Nach dem ebenfalls fehlerfreien Corpstanz durfte das Corps dann wieder zurück in den Bus und ich wieder in meine dunkle Kiste neben dem Schellenbaum und das sonstige Equipement, was die Falkenjäger an so langen Tagen brauchen. Nach einer knappen halben Stunden, sowie diversen Geräuschen (Flaschenöffnen?!) von oben, wurde dann auf einmal wieder Licht in den Kofferraum gebracht. Denn bis zum nächsten Auftritt waren es ja nur noch 5 Stunden, die es nun zu überbrücken galt.
Hier hatte der Ehrenkommandant "Knubbel" eine tolle Idee. Er lud das gesamte Corps zu einer Tour mit dem Kaschemmensänger Günter Missenich durch die Kölner Altstadt ein. Unsere erste Etappe endete mit einem Besuch bei unserem Goldmützenträger Willi Millowitsch (also seinem Bronzedenkmal) auf dem Eisenmarkt. Ihm zu Ehren wollten wir zusammen mit der Musik ein Ständchen spielen, was jedoch den Intendant des Hännesje-Theaters Herrn Malchers störte, da im Theater die Puppensitzung lief. Also zogen wir mit einem leisen „Wenn ich so an ming Heimat denke“ weiter zum Alter Markt.
Dort hatte der Senat ein Buffet mit Schnittchen und Kölsch aufgebaut. Es folgte eine ausgiebige Pause und wir zogen weiter in ein Brauhaus, ebenfalls in der Altstadt. Auch diese Einladung erfolgte vom Senat, die uns nun natürlich begeleiteten. Im Brauhaus wurde bei einigen Kölsch ein paar herrliche alte Geschichten zum Besten gegeben, unser "Maggelsbroder" probierte sich als Schaufensterpantomime und konnte so den einen oder anderen Altstadt-Touristen überraschen, bzw. erschrecken. Nachdem der liebe "Lockedrieher" mit seiner Pfeife das Ende des geselligen Teils ankündigte, erfolgte die Weiterfahrt nach Bürvenich bei Zülpich.
Dort angekommen wurden wir vom Programm erst mal ein wenig „nach hinten“ gesetzt, was aber nicht wirklich störte, denn in der zu dem Saal gehörenden Gaststätte konnte man die Zeit gut überbrücken. Jedoch habe ich dort ein Ding erlebt, dass muss ich Euch noch mitteilen. "Duckes" hat behauptet, wenn man nach so einem harten Abend noch eine Tasse Kamillentee trinkt, hat man am nächsten Morgen keine Kopfschmerzen. Nun wollte "Sprotte" dieses Experiment einmal in die Tat umsetzen. Während die Corpskollegen zwischen Pils und Kölsch wählten, bekam unser „Nordlicht“ ernsthaft einen Kamillentee. Nach den ersten Gaumenverbrennungen hat er dieses vorzügliche Getränk tapfer runtergespült und es hat angeblich gewirkt (hat die "Sprotte" zumindest am nächsten Morgen behauptet). "Duckes" hatte derweil den Saal inspiziert und beschlossen, dass nur noch ein Mariechentanz stattfinden könnte, da die Bühne sehr klein wirkte.
Also noch ein letztes Mal für dieses Wochenende rein in den Saal. Trotz der kleinen Bühne schafften wir es mit allen Falkenjägern auf der Bühne zu erscheinen. Nach dem ersten Potpourri und dem Präsentieren, folgte der Mariechentanz, ein weiteres Potpourri und dann ging es mit dem „Gruß aus Würzburg“ zurück in den Bus. Die Heimfahrt wurde wieder mit ein paar Kölsch gefeiert und so ging ein "langer" Tag fast für alle Falkenjäger zu Ende. Was dann passiert ist, weiß ich nur aus den Erzählungen. Denn während ich meine Nacht in der dunklen Kiste verbrachte, begab sich ein Teil der Falkenjäger ins Seasons, andere in den Krayer nach Schwadorf und der Rest ging wohl brav nach Hause zum „Kamillentee-Experiment“. Es war ein wunderschöner Auftrittstag, der dem Corps sehr gut gefallen hat. Und ein besonderer Dank an den Senat für die nette Einladung, besonders an den Cheforganisator, unserem lieben Ehrenkommandant „Knubbel“.
Mit fidelen Grüßen
Euer "Karl"
